Mr. Gregory kann nicht sterben
Dr. Morton Nr. 5 64 Seiten 1,00 DM


Dr. Morton Nr. 4


Dr. Morton Nr. 6

 

Kleinigkeiten haben oft große Auswirkungen. So könnte zum Beispiel der Mann, der Dr. Morton und Grimsby bei einer ihrer Aktionen beobachtet hat, Scotland Yard einige Mitteilungen machen, für die ihm einer der Superintendenten selbst die Füße küssen würde…
Er zieht es jedoch vor, einen Erpressungsversuch zu starten, den er unvermutet mit dem Leben bezahlt. Auch Mr. Knowles' Kreaturen müssen sterben. Jeder von ihnen, der überlebt, wäre eine ständige Bedrohung. Nach so viel Trubel ist Dr. Morton froh, sich trotzdem endlich einem schon lang geplanten Experiment widmen zu können: Zum ersten Mal wird ein menschliches Gehirn unversehrt aus einem Kopf gelöst
um ohne Körper weiterzuleben.

 

Mr. Philipp Gregorys Narkose war komplett. Dr. Morton hatte noch einmal alle Instrumente kontrolliert und begann seine Arbeit. Er hatte Mr. Gregorys Kopf bereits rasiert. Jetzt trennte ein langer Schnitt die Kopfhaut von vorn nach hinten auf. Einige weitere Schnitte, und der Schädelknochen lag frei für Bohrer und Brechzange.

Dr. Morton arbeitete mit ruhigen, sicheren Bewegungen und der Schnelligkeit, die seine Mitarbeiter oben in der Klinik immer wieder bewunderten.
Stück für Stück legte er Mr. Gregorys Gehirn frei. Stück für Stück montierte er die Schädeldecke ab. Fasziniert beobachtete er dann die Blutzirkulation. Aber er nahm sich nicht viel Zeit. Jede Minute war kostbar.
Nach einem genauen Plan begann er, Gregorys Gehirn aus dem Kopf zu lösen. Die Blutversorgung durfte noch nicht unterbrochen werden, wollte erweitere Schädigungen vermeiden.
Nach einer halben Stunde hatte Mr. Philipp Gregory keine Stirn mehr. Eine weitere halbe Stunde später war die ganze Gesichtspartie verschwunden. Seine eigene Mutter hätte ihn zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erkannt. Dr. Morton beseitigte auch noch den Kiefer. Jetzt lag das Gehirn völlig bloß, von jeglicher Umkleidung befreit: eine warme, wabbelige Masse.
Der schwierigste Akt stand unmittelbar bevor. Die Blutbahnen mussten gekappt und möglichst schnell mit der bereitstehenden Herz-Lungen-Maschine verbunden werden. Die Apparatur, die Dr. Morton in langer, intensiver Arbeit entworfen und die Grimsby gebaut hatte - würde sie ihre erste Bewährungsprobe bestehen? Dr. Morton spürte die ungeheure Spannung, die ihn gefangen hielt. Aber sie beeinträchtigte ihn in keiner Weise. Im Gegenteil. Er "funktionierte" mit der Präzision einer Maschine. Verbannte jeden überflüssigen Gedanken und entspannte sich erst, als Mr. Philipp Gregorys Gehirn sicher zwischen den verschiedenen Stäben fixiert war und die Herz-Lungen-Maschine die Blutversorgung übernommen hatte.
Nebenan auf dem Operationstisch lag ein lebloses, wesenloses Stück Fleisch, das einmal Mr. Philipp Gregory gewesen war, ein hoffnungsvoller, reicher junger Mann, der ein sorgloses Leben hätte führen können, hätte Dr. Morton nicht eines Tages Anstoß an seiner Existenz genommen...