Dr. Morton Einführung



Überblick


Verlagsankündigung

 

Zu einer Zeit, als Charles Bronson im Kino rot sieht und unter Publikumsgejohle den "Ratten" die Hirne wegbläst, als Genetik für 99 Prozent der Bevölkerung ein Fremdwort und die erste Körperwelten-Ausstellung noch viele Jahre entfernt ist, erscheint Mitte der siebziger im Anne Erber Verlag die Gruselkrimi-Heftromanserie Dr. Morton. Im Gegensatz zu vielen Horror-Serien dieser Zeit und zum ersten und letzten Mal in der Geschichte trivialer Groschenromanhelden in Deutschland ist Dr. Morton die einzige Serie, in der Gut und Böse nicht getrennt sind, "das Gute" nicht gewinnt, die "Helden" unsäglich menschenverachtend agieren. Darauf bedacht, jedes Tabu zu brechen, treten die Hauptpersonen aus jeder Situation vom sadistischen Lustmord über Entführungen bis Sklaverei, Folterungen, Vergewaltigungen und abartigen Menschenversuchen als Sieger hervor.

Titelbilder mit gedemütigten Frauen in unterwürfigen und gleichzeitig aufgegeilten Stellungen traut sich heutzutage niemand mehr am Bahnhofskiosk zu veröffentlichen. Zynisch, kompromisslos, radikal, ohne jegliches Mitgefühl vielleicht gerade deshalb näher an tatsächlichen Zuständen als jedes andere Produkt populärer Massenunterhaltung? Reaktionär, faschistisch und von perverser Verderbtheit, der jugendliche Gewissen erliegen und die schlichte Gemüter verwirrt? Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wollte kein Risko eingehen, fast jedes Heft der Serie wurde indiziert.